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Beiträge

Barcamp: Sinnvoll arbeiten und erfolgreich lernen in der Kursstufe

29. November 2022/in Außerhalb des Unterrichts

Der Start in die Kursstufe kann für Schüler:innen herausfordernd sein: im Unterricht hat man nun das Ziel „Abitur“ recht klar vor Augen, das inhaltliche Niveaus steigt in vielen Fächern, vor allem in den Leistungskursen und gleichzeitig muss man in der Regel deutlich selbständiger arbeiten als in den vorangehenden Schuljahren.

Um diesen Übergang für die Schüler:innen zu erleichtern und ihnen gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, ihr eigenes Lernen sinnvoll und erfolgreich zu gestalten, fand am 09.11.2022 ein Barcamp zum Thema „Sinnvoll arbeiten und erfolgreich lernen in der Kursstufe“ statt. Die Teilnahme war für die Schüler:innen freiwillig und angeboten wurden Sessions zu verschiedenen lernmethodischen Themen, aber auch Gesprächsrunden zu den „größeren Linien“ der Lebensplanung.

Die anwesenden Schüler:innen haben intensiv mitgearbeitet und mitdiskutiert und konnten – so die Rückmeldungen – in der Mehrzahl davon profitieren, dass sie einen freien Nachmittag dafür aufgewandt haben.

Die organisierenden Lehrer:innen haben sich sehr darüber gefreut, dass viele der Schüler:innen sich die Zeit genommen haben, um künftig besser und zielgerichteter lernen zu können.

Das Barcamp-Team: Heinke Roth, Claudia Zimmermann-Ruf, Andreas Kalt, Robert Weth

https://kreisgymnasium-neuenburg.de/wp-content/uploads/2022/11/Fotos-Barcamp-sinnvoll-lernen_header.jpg 429 1280 KGN (Kal) https://kreisgymnasium-neuenburg.de/wp-content/uploads/2017/08/kgn-logo-website-v3-340px.png KGN (Kal)2022-11-29 11:15:582022-11-29 11:16:43Barcamp: Sinnvoll arbeiten und erfolgreich lernen in der Kursstufe

Scheffelpreis-Rede 2020 von Lea Ehrensperger

02. August 2020/in Außerhalb des Unterrichts

Am 24. Juli 2020 hielt Lea Ehrensperger als Scheffelpreisträgerin die Abiturrede im Rahmen der Zeugnisvergabe, die wir an dieser Stelle gerne veröffentlichen.


Liebe Mitschülerinnen und Mitschüler,
liebe Lehrerinnen und Lehrer, liebe Schulleitung,
liebe Eltern und Gäste!

Ich freue mich, dass ich heute hier oben stehen darf und die Ehre habe, diese Rede zu halten. Und gleich zu Beginn gilt daher mein Dank meinen Deutschlehrern der letzten zwei Jahre. Frau Mager, Frau Naghiu und Herr Bargen, Sie haben mich auf dem Weg hierher stets begleitet und unterstützt. Ganz herzlichen Dank!

Unsere drei Pflichtlektüren – Faust I, Der goldne Topf und der Steppenwolf – habe ich schon lange vor dem Abi ad acta gelegt und auch wenn diese sicher lesenswert waren, werde ich Sie (liebe Gäste) heute mit Zitaten und Interpretationen daraus verschonen. Doch ich schätze, so ganz ohne Literatur geht es bei einer solchen Rede wohl kaum. Und deswegen möchte ich heute Abend auf ein anderes Buch eingehen.

Schluss mit dem täglichen Weltuntergang – auf die Empfehlung von Herrn Kalt hin, las ich dieses Buch von Maren Urner. Ein Buch, das seine Leser sensibilisiert für einen kritischen Umgang mit Medien. Kritisch nicht im negativen Sinne, ablehnend gar, nein, kritisch im Sinne von „mit Verstand“.
Überflutet von Nachrichten aus aller Welt, Pop-up Meldungen von Sozialen Netzwerken und Erinnerungen an die tägliche Dosis Unterhaltung auf Streaming-Plattformen, passiert es schnell, dass wir die Zeit vergessen. Nur kurz diese eine Email beantworten wollen und dann ist schon wieder eine viertel Stunde um. Versunken in die News – die Zeit und Welt um sich herum vergessen.

Wie umgehen mit dieser ständigen Reizüberflutung? Der dauerhaften Bombardierung unseres Gehirns mit unnützen Fakten und Fake News?

Keine Frage, die Lösung lässt sich nicht einfach im Netz herunterladen – downloaden wie all die Apps, die uns die Flut an Reizen entgegen schmettern.

Es ist komplizierter. Ein erster Schritt vielleicht, beobachten und erkennen, was wir da so alles konsumieren. Dann reflektieren und hinterfragen all der Dinge, die da ständig auf uns einprasseln, um dann entscheiden zu können: „Was ist mir eigentlich wirklich wichtig?“.

In den letzten Jahren haben wir dafür Werkzeuge an die Hand bekommen, haben geübt und gelernt, Texte mehr als nur zu lesen, Texte zu verstehen, die Intension des Autors und dessen stilistische – manchmal gar manipulativen – Mittel im Prozess des Verstehens eines Textes mit einfließen zu lassen. Wir hinterfragten und erörterten, von Dombrovsky bis Martenstein. Beleuchteten von verschiedenen Seiten, bis der uns vorgelegte Text für uns ganz im Lichte lag.

Und so, wie wir die Texte beurteilten und kritisierten, nahm jeder von uns verschiedene Aspekte aus der Textarbeit mit, dachte unterschiedlich über die Thesen und Argumente der Artikel nach und zog für sich seine eigenen Erkenntnisse daraus.

So kommt es, dass Jede und Jeder von uns auch unterschiedliche Erinnerungen an die Schulzeit gesammelt hat. Individuelle Begegnungen und Erlebnisse, die prägten und doch haben wir alle eines gemeinsam: Wir haben Gemeinschaft erlebt, zusammen haben wir in den Mittagspausen hier gegessen und gelacht, haben die Wandertage mit verschiedensten Erlebnissen verbracht und gemeinsam haben wir ganze acht Jahre hier mit Lernen zugebracht.

Doch seien wir mal ehrlich, es war nicht immer alles nur schön hier. Manchmal war es purer Stress. „Klausurenphase“ wurde dann zu einem Synonym für Schlafmangel und Unausgeglichenheit, ja, Gereiztheit und Bulimielernen am späten Abend vor der Prüfung – manchmal auch erst morgens im Schulbus. Klausur folgte auf Klausur … Coopertest und Hausarbeiten, kaltes Wasser aus den Wasserhähnen und die 87, die in der Cafeteria irgendwie immer schneller war als wir.

Keine Frage – jeder hat sich über andere Dinge geärgert und echauffiert, Gemecker – mal mehr, mal weniger angebracht – gab es in unsrer Stufe zu Genüge! Und trotz alle dem, es war eine wirklich schöne Zeit mit euch!

* * *

Dieses Jahr ist alles ein bisschen anders. Anders als geplant feiern wir heute nicht im Stadthaus, sondern hier im Innenhof. Und alles läuft ein wenig spontaner als gewohnt, Flexibilität steht nun an erster Stelle. Doch wie wäre es, wenn wir diese besonderen Umstände nicht nur als Krise sehen, ihnen auch etwas Positives abgewinnen können. Wenn wir in der derzeitigen Situation eine Chance sehen, um neue Wege zu gehen. Ja, vielleicht sind wir sogar gezwungen kreativ zu werden, weil unsere ursprünglichen Pläne über den Haufen geworfen wurden.

* * *

So stehen wir heute hier im Innenhof unserer bald ehemaligen Schule und feiern Abschluss, um dann hinaus in die Welt zu zieh’n. Wir erfahren neben der Freiheit – auf die sich die meisten hier sicherlich freuen – auch, wie es ist Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung, mit unseren Ideen, unserem Wissen und vor allem unserer Energie mitzuwirken, vielleicht sogar voranzugehen bei der Lösung von Problemen und Fragen, vor denen sich unsere Gesellschaft gerade sieht.

Und manchmal, da scheinen diese Probleme und Herausforderungen viel zu groß, als dass man selbst, als Einzelperson etwas bewirken könnte, doch:

„Alles, was du in die Welt setzt, beeinflusst andere Menschen!“, Maren Urner bezog diese Aussage in ihrem Buch hauptsächlich auf journalistische Arbeiten und Artikel, und dennoch fängt es im Kleinen an und lässt sich auf unseren persönlichen Alltag übertragen.

Mit jeder unserer Äußerungen, mit jedem Handeln nehmen auch wir Einfluss auf unsere Umwelt, unsere Mitmenschen.
Ein praktisches Beispiel an dieser Stelle vielleicht; seit zwei Jahren steht die Türe links neben dem Sekretariat so gut wie immer offen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob Herr Kügele dies bewusst macht oder ob es für ihn eine Selbstverständlichkeit ist.

Die offene Türe – ein kleiner Wandel, der aber zeigt: Jeder ist willkommen, jede Idee und jeder Vorschlag findet Gehör und wird ausprobiert.

Zunächst habe ich es als kleine Veränderung wahrgenommen, und im Lauf der Zeit aber gemerkt wie sehr die Schulgemeinschaft dadurch belebt wurde und sicherlich wird auch in Zukunft noch viel Neues entstehen.

Ziehen also auch wir los und verändern die Welt erstmal im Kleinen, denn „Alles, was du in die Welt setzt, beeinflusst andere Menschen!“.

https://kreisgymnasium-neuenburg.de/wp-content/uploads/2020/08/scheffelrede-header_2020-08-02.jpg 429 1280 KGN (Kal) https://kreisgymnasium-neuenburg.de/wp-content/uploads/2017/08/kgn-logo-website-v3-340px.png KGN (Kal)2020-08-02 11:25:272020-08-02 11:25:51Scheffelpreis-Rede 2020 von Lea Ehrensperger

Abiball 2018 am Kreisgymnasium Neuenburg

13. Juli 2018/in Mitteilungen

Der Abiball des Kreisgymnasium Neuenburgs am 7.Juli 2018 im Stadthaus war ein voller Erfolg. Bei bestem Wetter bereitete der Sektempfang nicht nur eine prickelnde Erfrischung, sondern bot Möglichkeiten des Austausches und markierte den Anfang des Abends. Bei allen Gästen kam die Deko getreu nach dem Motto „Abikea – Lernst du noch oder lebst du schon?“ in blau und gelb gut an. Zum Beispiel sind die Blumen aus IKEA- Maßbändern zu erwähnen. Nach der Rede von Herrn Kaltenbacher und der Zeugnisübergabe wurden auch noch viele Preise und Lobe vergeben. Anschließend wurde das äußerst leckere Buffet mit zahlreichen Salaten und verschiedenen Hauptgerichten eröffnet. Unterdessen lief eine Diashow mit Bildern aus dem gesamten Schulleben.

Nun begann der unterhaltsame Teil des Abends, welcher durch die abwechslungsreichen Programmpunkte der Leistungskurse gekennzeichnet war. Der Kunstkurs fertigte ein wunderschönes Portrait ihrer Lehrerin live auf der Bühne an, der Französischkurs dichtete das Lied „Je ne parle pas français“ von Namika um, so dass ihr Werdegang mit ihrer Lehrerin Frau Fusco widergespiegelt wurde. Des Weiteren zeigte der Wirtschaftskurs ein amüsantes Video, in welchem die Eigenheiten ihres Lehrers Herr Kreutner überspitzt dargestellt wurden. Ebenfalls wurden musikalische Talente zum Besten gegeben. Den Abschluss bildete Herr Held mit einer Darbietung aus dem Musical „Les Misérables“, begleitet von Jessy Tieu am Klavier. Gegen Mitternacht neigte sich die Veranstaltung dem Ende zu. Der Abend stieß auf viel Lob, weshalb wir hoffen, dass er bei allen Gästen in guter Erinnerung bleibt.

Abijahrgang 2018

Für besonders herausragende Leistungen in den einzelnen Fächern konnten auch in diesem Jahr zahlreiche Preise überreicht werden:

Den „Mathias-von-Neuenburg-Preis“ der Stadt Neuenburg für die Schulbesten mit einem Abiturschnitt von 1,0 erhielten Katrin Mertes und Pauline Sauerborn mit den besten Wünschen und Grüßen der Stadt Neuenburg. Einen Schulpreis (Zertifikat und  einen Buchpreis-Gutschein) für einen Abiturschnitt zwischen 1,0 und 1,4 erhielten: Isabell Blechner, Eliana Feurer, Selina Hauser und Jessy Tieu. Ein Lob für einen Abiturschnitt zwischen 1,5 und 1,9 erhielten: Alisa Höferlin, Jonas Lang, Kassandra Lippe, Anna-Lena Heiny, Hanna Koepcke, Theresa Nafz und Maren Müller. In den Sprachen wurden folgende Fachpreise vergeben: Den Scheffelpreis für das Fach Deutsch bekam Katrin Mertes. Pauline Sauerborn und Eliana Feurer erhielten ebenfalls einen Fachpreis für herausragende Leistungen in Deutsch. Gleich 3 Preisträger wurden für einen Fachpreis im Fach Englisch ausgelobt: Isabell Blechner, Katrin Mertes und Pauline Sauerborn. Für ihre Leistungen im Fach Spanisch wurden Selina Hauser und Pauline Sauerborn und für Französisch Alisa Höferlin und Kassandra Lippe mit einem Fachpreis geehrt. Ein Zertifikat und Buch mit Widmung für Geographie ging an Julian Nesser; die Franz-Schnabel-Medaille für das Fach Geschichte an Alexander Riedel. Den Preis der Sparkasse Markgräflerland  für Geisteswissenschaften und Wirtschaft erhielt Selina Hauser. Katrin Mertes erhielt  den Ferry Porsche Preis für die beste Leistung im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Einen weiteren Preis für besondere Leistungen in Mathematik durften Eliana Feurer und Maren Müller entgegennehmen.

Katrin Mertes konnte für herausragende Leistungen in Physik einen Buchpreis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und zusammen mit Hanna Koepcke und Jessy Tieu eine kostenlose einjährige Mitgliedschaft in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft überreicht werden. Einen Biologiepreis erhielte Isabell Blechner. Der Abiturpreis der Gesellschaft Deutscher Chemiker wurde an Katrin Mertes verliehen. Hanna Koepcke durfte sich über einen Preis des Verlags Spektrum der Wissenschaften freuen und Pauline Sauerborn über einen weiteren Fachpreis Chemie. Für außergewöhnliche Leistungen im künstlerischen Bereich wurden Annika Treß und Franziska Weiß mit dem Fachpreis Bildende Kunst gewürdigt. Für ihren vorbildlichen Einsatz bei SEVO (Schüler Ersthelfer vor Ort) bedankte sich Jürgen Kaltenbacher bei Toni Breuer, Preeti Frei, Anna Kaufmann, Kassandra Lippe, Alexander Riedel, Pauline Sauerborn, Franziska Weiß und Hannah Wiedemann  mit einem Buchgutschein und die Leiterin der SEVO-AG, Andrea Wolf mit einer Warnweste bei der alle Mitglieder des SEVO-Teams unterschrieben haben.

Das Abitur bestanden haben

Neuenburg: Tim Brändle, Ronja Fehrenbach, Katharina Franz,  Hanna Koepcke, Katrin Mertes, Maren Hermine Müller, Kathrin Pauer, Pauline Sauerborn, Parcival Cedric Schneider, Jessy Tieu, Annika Luise Treß, Kevin Zeller,

Steinenstadt: Isabell Blechner, Jonas Lang

Grißheim: Patrick Haug, Anna-Lena Heiny, Anna Kaufmann, Alisa Leibe, Louisa Stoye

Zienken: Julian Nesser, Preeti Marielle Frei

Auggen: Eliana Feurer,Sophie Franzenburg, Marc Leininger, Jonas Schütte, Sebastian Wördehoff

Müllheim: Franziska Milena Weiß, Theresa Nafz

Müllheim-Dattingen: Patrick Essiane Zame

Badenweiler-Sehringen: Toni-Björn Breuer

Buggingen: Hannah Wiedemann

Buggingen-Seefelden: Alexander Arved Riedel

Schliengen: Ahan Göttl, Selina Hauser

Liel: Maximilian Langelott

Bad Bellingen: Jana Annemarie Fuchs, Selina Helga Fuchs, Edgar Kunz, Kassandra Lippe

Rheinweiler: Alisa Höferlin, Dominik Wilhelm

https://kreisgymnasium-neuenburg.de/wp-content/uploads/2018/07/abi-2018-header.jpg 429 1280 KGN (Kal) https://kreisgymnasium-neuenburg.de/wp-content/uploads/2017/08/kgn-logo-website-v3-340px.png KGN (Kal)2018-07-13 08:02:112018-07-13 08:02:11Abiball 2018 am Kreisgymnasium Neuenburg

Wozu Lektüren lesen? Scheffelpreis-Rede von Julien Feurer anlässlich des Abiballs 2017

16. Juli 2017/in Unterricht

Unser ehemaliger Schülersprecher und diesjähriger Träger des Scheffelpreises hielt beim Abiball 2017 eine Rede zur Frage, warum man im Deutschunterricht die vorgegebenen Lektüren liest – und bisweilen mit ihnen kämpft. Bei vielen Anwesenden stieß die Rede auf große positive Resonanz, so dass wir sie gerne hier veröffentlichen.

* * *

Liebe Mitschülerinnen und Mitschüler,
Liebe Lehrerinnen und Lehrer,
Liebe Eltern und Gäste!

Ich möchte mich zunächst bei Frau Naghiu bedanken, die mich für diesen Preis vorgeschlagen hat und der ich es damit auch zu verdanken habe, jetzt diese Rede halten „zu dürfen“. Im Internet kann man im Zusammenhang mit der Scheffelpreisrede einige – ja fast schon – Hilferufe von Schülern finden, die Rat suchen, was man denn da jetzt reden soll. Der Preis zeichne doch eigentlich die vor allem ja schriftlichen Leistungen im Fach Deutsch aus und auf einmal solle man als Dank nicht schreiben, sondern eine Rede halten. Darauf sind wir doch überhaupt nicht vorbereitet worden!

Stattdessen lesen wir Kurzgeschichten, Gedichte und Lektüren, schreiben unendlich viele und viel zu lange Interpretationen über Textstellen wie diese aus einer unserer Pflichtlektüren „Dantons Tod“:

„Nein, höre! Die Leute sagen im Grab sei Ruhe und Grab und Ruhe seien eins.
Wenn das ist, lieg’ ich in deinem Schoß schon unter der Erde.
Du süßes Grab, deine Lippen sind Totenglocken,
deine Stimme ist mein Grabgeläute,
deine Brust mein Grabhügel
und dein Herz mein Sarg.“

Manche von uns Abiturienten werden sich jetzt denken „Zum Glück ist das vorbei“, „Zum Glück nie wieder ein Satz aus Agnes, Homo Faber oder eben Dantons Tod“.
Und unsere Helfer aus der KS1, die dieses Buch soweit ich weiß noch nicht gelesen haben, werden sich an dieser Stelle vielleicht fragen: „Muss man das Buch im Abi nehmen oder lässt sich das vermeiden?“

„deine Stimme ist mein Grabgeläute,
deine Brust mein Grabhügel“

Ich erspare uns allen jetzt eine ausführliche Interpretation, aber Sie werden sich gut vorstellen können, dass Textstellen wie diese oft eine verzweifelte Frage in unsere Köpfe gebracht hat: Die Frage nach dem Warum.

  • Warum schreibt der Georg so etwas?
  • Warum ist ihre Brust auf einmal sein Grabhügel?
  • Und überhaupt: Warum muss ich dieses Buch lesen?

Hätten wir in Deutsch doch besser Reden-halten geübt, dann wäre jedem von uns heute Abend ein bisschen mehr geholfen gewesen…

Wozu also ein Fach, in dem mir der Lehrer sagt, es gäbe kein richtig und falsch – ich aber laut der erhaltenden Note doch einiges offensichtlich nicht richtig gemacht habe… Anders als in Naturwissenschaften wie Chemie oder Mathe, wo es sich ganz eindeutig sagen lässt, ob meine Antwort richtig ist oder eben nicht.

Warum also das Fach Deutsch?

Weil sich das Leben, auf das die Schule uns vorbereiten will, nicht allein mit Mathematik lösen lässt.

  • Wenn wir Streit mit Freunden haben, dann ist das keine rein biologische Problematik, sondern eine, die Perspektivwechsel und Empathie von uns verlangt.
  • Wenn ein Donald Trump meint, ausschließlich für sein Land sorgen zu müssen und Klimaabkommen kündigen zu können, dann ist das keine mathematische Problematik, sondern eine, die Urteilsvermögen und Weitsicht von uns verlangt.
  • Wenn mehr und mehr Menschen und Parteien glauben, Fremdenhass, Rassismus und der Bau von Mauern sei die richtige Antwort auf flüchtende Menschen, die ihr Zuhause durch Krieg und Verfolgung verloren haben, dann ist das keine physikalische Problematik, sondern eine, die genaue Analyse und Differenzierung von uns verlangt.

Perspektivwechsel, Empathie, Urteilsvermögen, Analyse und Differenzierung…

Diese Schlagwörter werden sicher jeden von uns irgendwie doch an den Deutsch-Unterricht erinnern. Sich in Charaktere einfühlen, deren komplexes Verhalten und verwirrende Aussagen ganz genau zu analysieren, zu interpretieren und schließlich zu bewerten – damit haben wir uns die letzten 8 Jahre doch tatsächlich sehr, sehr ausführlich beschäftigt. Ich erinnere nochmal an:

„deine Stimme ist mein Grabgeläute,
deine Brust mein Grabhügel“

  • Wir haben erkannt, dass scheinbare Kleinigkeiten erhebliche Bedeutungen und Auswirkungen auf das Große und Ganze haben können.
  • Wir haben gelernt, Abstraktes, Metaphorisches und Symbolisches zu verstehen und auf alltägliche Basis herunter zu brechen.
  • Und wir haben erkannt, dass scheinbar einfache Wege, die von Protagonisten gewählt werden, oft nicht zu Ende gedacht sind und zum Scheitern führen.
    Scheinbar einfache Wege und Lösungen wie das Kündigen von Klimaabkommen, das Bauen von Mauern oder das Vertreiben von Flüchtlingen. Wege, die kurzfristig vielleicht eine „Lösung“ darstellen, langfristig jedoch wenig verbessern.

Daher geht es im Fach Deutsch insgesamt vielleicht weniger um den Inhalt, weniger darum, sich in 10 Jahren noch an den Handlungsverlauf unserer drei Pflichtlektüren zu erinnern, sondern vielmehr darum, diese Methodik von nun an anwenden zu können.

Arbeitsaufträge wie…

„Interpretieren Sie die Textstelle im Kontext der vorangegangen Handlung und vergleichen Sie das Selbstbild von George Danton und Walter Faber“

… werden uns in Zukunft wohl nicht mehr begegnen. Das Selbstbild und Weltbild der Protagonisten wird von nun an egal sein, wichtig hingegen wird das von uns.

Während wir Abiturienten heute wohl alle das letzte Mal an einem Ort versammelt sind und das Kapitel „Schule“ in unserem Leben endgültig seinen Schluss gefunden hat, beginnt gleichzeitig ein neues Kapitel, für das sich bei jeden einzelnen die Frage stellt, welchen Weg er oder sie wählt und wo wir einen Platz in der Welt der vielen Möglichkeiten außerhalb der Schule finden wollen.

  • Lasst uns dabei stets versuchen, nicht die scheinbar einfachen und gemütlichen Wege zu suchen, sondern die, die für uns und andere am besten sind.
  • Lasst uns versuchen, nicht dem zu folgen, was andere für richtig halten, sondern dem, was unserem Selbst- und Weltbild entspricht.
  • Und lasst uns dann in einigen Jahren zurückblicken und hoffentlich die Erkenntnis gewinnen, dass dieses zugänglichere Zitat aus Peter Stamms Agnes zutrifft:

„Glück malt man mit Punkten, Unglück mit Strichen.
Du musst, wenn du unser Glück beschreiben willst, ganz viele kleine Punkte machen.
Und dass es Glück war, wird man erst aus Distanz sehen.“

https://kreisgymnasium-neuenburg.de/wp-content/uploads/2017/07/books-2463779_1920.jpg 430 1500 KGN (Kal) https://kreisgymnasium-neuenburg.de/wp-content/uploads/2017/08/kgn-logo-website-v3-340px.png KGN (Kal)2017-07-16 20:33:322018-07-13 08:06:31Wozu Lektüren lesen? Scheffelpreis-Rede von Julien Feurer anlässlich des Abiballs 2017

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