Mit großer Vorfreude machte sich die Klasse 5d gemeinsam mit ihren Klassenlehrerinnen Frau Reynaud und Frau Trepte auf den Weg ins Schullandheim am Schluchsee. Fünf Tage lang tauschten die Schülerinnen und Schüler Klassenzimmer gegen Schwarzwald, Schulhof gegen Wanderwege und Stundenplan gegen gemeinsame Abenteuer. Was sie in dieser Woche erlebten, war weit mehr als eine Klassenfahrt: Es waren Tage voller neuer Erfahrungen, gemeinsamer Herausforderungen, vieler lustiger Momente und einer Klassengemeinschaft, die jeden Tag ein Stück enger zusammenwuchs.
Schon am Montagmorgen herrschte am Bahnhof geschäftiges Treiben. Pünktlich um 8.20 Uhr verabschiedeten sich die Eltern von ihren Kindern – und die Lehrerinnen staunten nicht schlecht über die riesigen Koffer, die manche dabei hatten. Zum Glück hatte sich bereits im Vorfeld ein hilfsbereiter Vater bereit erklärt, das gesamte Gepäck mit seinem Kleintransporter direkt zur Jugendherberge zu bringen. So konnten alle die Zugfahrt ganz entspannt antreten.
Ganz ohne kleine Abenteuer verlief die Anreise allerdings nicht. Verspätete Züge und ein unerwarteter Schienenersatzverkehr sorgten dafür, dass ausgerechnet in Himmelreich plötzlich Schluss war. Mit dem Bus ging es weiter durchs Höllental bis zum Ziel. So schaffte es die Klasse tatsächlich an einem einzigen Vormittag von Himmelreich durch die Hölle bis an den Schluchsee – ein gelungener Auftakt, der schon auf der Hinfahrt für viele Lacher sorgte.
Nach einer kurzen Verschnaufpause in der Jugendherberge wartete bereits das erste gemeinsame Ziel: der Riesenbühlturm. Rund 45 Minuten führte der Weg stetig bergauf. Bei strahlendem Sonnenschein kamen selbst die größten Wandermuffel ordentlich ins Schwitzen. Doch der Aufstieg lohnte sich. Von der Plattform des Turms bot sich ein beeindruckender Blick über den Schluchsee und die umliegenden Wälder des Schwarzwaldes. Selbst Kinder, die sich eigentlich nicht gerne in große Höhen wagen, überwanden ihren Mut und erklommen die 140 Stufen bis ganz nach oben. Der Stolz über das Erreichte war ihnen deutlich anzusehen.
Bereits auf dieser ersten Wanderung zeigte sich ein Phänomen, das die Lehrkräfte durch die gesamte Woche begleiten sollte. Kaum waren einige Meter gelaufen, erklang immer wieder dieselbe Frage:
„Was gibt es heute Abend zu essen?“
Dabei waren die liebevoll gepackten Vesperboxen der Eltern ständig im Einsatz. Kaum war eine Pause erreicht, wurden Brote, Obst, Müsliriegel oder andere Leckereien ausgepackt. Offenbar gelten auf Klassenfahrten ganz eigene Naturgesetze: Irgendjemand hat immer Hunger.
Am Nachmittag durften endlich die Zimmer bezogen werden. Doch zunächst wartete eine Aufgabe, die für viele fast schwieriger war als die Wanderung: das Beziehen der Betten. Bettdecken schienen plötzlich riesig, Bettbezüge widerspenstig und Bettlaken hatten offenbar ihren ganz eigenen Willen. Es wurde gelacht, gezogen, gestopft und gegenseitig geholfen, bis schließlich alle Betten bezugsfertig waren. Auch das gehörte für viele Kinder zu den ersten Erfahrungen, die sie ganz selbstständig meisterten.
Nun lüftete sich auch das Geheimnis der gewaltigen Koffer. Zwischen Kleidung, Kuscheltieren und Spielen kamen erstaunliche Mengen an Süßigkeiten und Snacks zum Vorschein. Manche Kinder hatten offenbar vorsorglich Lebensmittelvorräte eingepackt, mit denen man problemlos mehrere Tage hätte überleben können.
Von Müdigkeit war trotz der Anreise und der ersten elf Kilometer Fußmarsch kaum etwas zu spüren. Kaum waren die Zimmer eingerichtet, flogen draußen bereits die Tischtennisbälle über die Platten, auf dem Fußballplatz wurde gekickt und auf dem Gelände der Jugendherberge getobt. Woher Zehn- und Elfjährige nach einem solch anstrengenden Tag noch diese Energie nehmen, bleibt wohl eines der großen Rätsel der Pädagogik.
Als am Abend schließlich Nudeln mit verschiedenen Soßen, Salat und Nachtisch auf dem Speiseplan standen, war die Freude groß. Eine Schülerin brachte ihre Begeisterung mit einem Satz auf den Punkt:
„Das schmeckt sogar besser als zu Hause!“
Nach rund 15.500 Schritten, elf Kilometern Wanderung und zahlreichen Höhenmetern war der Appetit allerdings auch mehr als verdient. Je länger die Woche dauerte, desto mehr entstand bei den Lehrerinnen der Eindruck, dass Fünftklässler nicht nur zwei, sondern mindestens drei Mägen besitzen müssen.
Während einige Jungen den Abend noch einmal auf dem Fußballplatz ausklingen ließen, verwandelten manche Mädchen ihr Zimmer kurzerhand in einen kleinen Beautysalon. Es wurde erzählt, gelacht und die gemeinsame Zeit genossen. Etwas ruhiger ging es derweil direkt am See zu. Gemeinsam mit ihrer Kunstlehrerin ließen einige Schülerinnen die idyllische Landschaft auf sich wirken und hielten ihre Eindrücke in wunderschönen Skizzen fest. So fand jede und jeder den passenden Ausklang für den ersten erlebnisreichen Tag.
Nach der Abendroutine wurde es schließlich langsam ruhig auf den Fluren der Jugendherberge. Manche Kinder konnten nach all den neuen Eindrücken noch nicht sofort einschlafen. D
eshalb sorgte eine spannende Vorlesegeschichte für einen gemütlichen Abschluss des Tages. Wenig später kehrte schließlich Ruhe ein – und alle sammelten Kraft für den nächsten Morgen, der bereits das nächste große Abenteuer bereithielt.
Am Dienstag stand die große Wanderung rund um den Schluchsee auf dem Programm. Schon früh am Morgen war allen klar, dass dies der sportlichste Tag der Woche werden würde. Gleichzeitig zeigte sich der Schwarzwald von seiner schönsten Seite. Immer wieder entdeckten die Schülerinnen und Schüler Spuren von Bibern, beobachteten eine Kröte und erkannten viele Pflanzen wieder, die sie bereits aus dem Biologieunterricht kannten. Besonders groß war die Begeisterung über die zahlreichen Schmetterlinge, Libellen und anderen Insekten, die die Klasse auf ihrem Weg begleiteten. Auch Enten, ein Kormoran und Fische konnten beobachtet werden – wobei manche Schülerinnen und Schüler sofort Lust bekamen, die Angel auszuwerfen. Für scheuere Tiere war die fröhliche Wandergruppe allerdings vermutlich etwas zu laut. Wahrscheinlich haben deutlich mehr Tiere die Klasse gesehen als umgekehrt.
Doch mit jedem Kilometer wurden die Beine schwerer. Schon bald erklangen immer wieder dieselben Fragen:
„Wie weit ist es noch?“ – „Wie lange laufen wir eigentlich schon?“ – „Müssen wir wirklich um den ganzen See laufen?“
Später kamen weitere Kommentare hinzu: „Ich kann nicht mehr.“, „Mein Fuß tut weh.“, „Ich habe eine Blase.“ oder „Ich will zu meiner Mama.“.
Diese Sätze gehörten fast genauso zur Wanderung wie die wunderschöne Landschaft. Und dennoch zeigte sich gerade hier, wie groß der Zusammenhalt in der Klasse inzwischen geworden war. Immer wieder warteten die Schnelleren auf die Langsameren, trugen die Fußlahmen, motivierten sich gegenseitig oder sorgten mit kleinen Gesprächen und viel Humor dafür, dass auch die letzten Kilometer gemeinsam geschafft wurden.
Mit jedem gemeinsam bewältigten Kilometer wuchs nicht nur die Ausdauer der Schülerinnen und Schüler, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl. Als nach rund zwölf Kilometern schließlich die Staumauer erreicht war, wartete dort die wohlverdiente Belohnung: Das Ausflugsschiff brachte die Klasse zurück nach Schluchsee. Während der Fahrt konnten alle noch einmal die beeindruckende Landschaft vom Wasser aus genießen und die müden Beine ein wenig ausruhen. Erschöpft, aber stolz kehrten alle zur Jugendherberge zurück – mit dem guten Gefühl, gemeinsam eine echte Herausforderung gemeistert zu haben.
Nach einer so langen Wanderung schmeckte das Abendessen natürlich besonders gut. Kulinarisch ging die Reise an diesem Abend nach Schweden: Köttbullar mit Preiselbeersoße und Kartoffeln oder Kartoffelgratin standen auf dem Speiseplan. Dazu gab es ein reichhaltiges Salatbuffet. Während die meisten kräftig zulangten, blieben zwei Schülerinnen ihrer ganz eigenen Speisekarte treu und erklärten kurzerhand Quetschies und TUC-Kekse zum Abendessen. Dank der umfangreichen Vorräte in ihren Koffern musste jedenfalls niemand hungrig ins Bett gehen.
Wer nun glaubte, nach rund 20.000 Schritten würden alle sofort erschöpft in ihre Betten fallen, hatte die Rechnung ohne die Fünftklässler gemacht. Stattdessen wurde mit großer Begeisterung Werwolf gespielt. Es wurde diskutiert, verdächtigt, gelacht und geschickt versucht, die Werwölfe zu entlarven. Erst spät am Abend kehrte langsam Ruhe in der Jugendherberge ein – bereit für den nächsten spannenden Tag.
Der Mittwoch stand ganz im Zeichen der Erlebnispädagogik. Gemeinsam mit den erfahrenen Trainern Nina und Stefan von Zwerger und Raab erwartete die Klasse ein abwechslungsreiches Programm, bei dem nicht Schnelligkeit oder Kraft im Vordergrund standen, sondern Teamgeist, Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen. Schon nach den ersten Spielen wurde deutlich: Heute ging es darum, gemeinsam Lösungen zu finden und sich aufeinander zu verlassen.
Besonders spannend war die Aufgabe, in kleinen Gruppen eine wetterfeste Notunterkunft im Wald zu bauen. Die Teams wurden bewusst bunt zusammengestellt, sodass nicht nur die besten Freundinnen und Freunde zusammenarbeiteten. Schnell zeigte sich, wie viele gute Ideen in der Klasse steckten. Es wurde ausprobiert, diskutiert, gemeinsam geplant und immer wieder nachgebessert, bis aus einer Plane, einem Seil und vielen kreativen Einfällen stabile Unterstände entstanden.
Mit viel Fantasie erhielt jede Hütte sogar ein eigenes Maskottchen. Namen wie Tony Tanne, Freddy Tannenzapfen, Walter Wurzel, Sambi oder Tristan Tanne sorgten für viele Schmunzler. Besonders die Beschreibung von Tristan Tanneblieb in Erinnerung: „Gemeinsam angefasst ist sie weich und flexibel, alleine fühlt sie sich spitz an.“ Treffender hätte man den Gedanken von Zusammenhalt kaum ausdrücken können.
Nach jeder Aufgabe nahmen sich die Gruppen Zeit, über ihre Zusammenarbeit nachzudenken. Was war gut gelungen? Wo gab es unterschiedliche Meinungen? Wie gelingt es, dass alle ihre Ideen einbringen können? Ganz nebenbei lernten die Kinder dabei Fähigkeiten, die weit über den Unterricht hinausreichen: einander zuzuhören, Kompromisse zu finden, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Manche Gruppen fanden schnell zueinander, andere mussten zunächst lernen, verschiedene Vorstellungen miteinander zu verbinden. Gerade diese Erfahrungen machten den Tag so wertvoll.
Auch die Natur hielt an diesem Tag eine wichtige Lektion bereit. Nachdem ein Kind versehentlich ein Erdwespennest gestört hatte, wurde allen noch einmal bewusst, wie respektvoll man sich im Wald bewegen sollte. Zum Glück ging alles glimpflich aus und das Erlebnis blieb eine lehrreiche Ausnahme.
Weitere Teamaufgaben verlangten Geschicklichkeit und gute Absprachen. Beim Weitergeben eines Balls entwickelte die Klasse gemeinsam eine immer bessere Strategie und erreichte schließlich eine beeindruckende Bestzeit. Beim großen Spiel „Schiffbruch auf einer einsamen Insel“ mussten Rätsel gelöst, Aufgaben verteilt und gemeinsam Entscheidungen getroffen werden. Die Trainer waren beeindruckt davon, wie engagiert und kooperativ die Schülerinnen und Schüler zusammenarbeiteten.
Am Abend wartete mit dem Bunten Abend bereits der nächste Höhepunkt der Woche. Mit viel Kreativität hatten die Schülerinnen und Schüler kleine Beiträge vorbereitet. Es wurden Witze erzählt, Quizrunden veranstaltet und gemeinsam gerätselt. Besonders viel Gelächter löste die Pantomime der Lehrerinnen aus, bevor anschließend die Kinder selbst Begriffe darstellten und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler zum Mitraten animierten. Der Abend zeigte einmal mehr, wie viel Freude gemeinsames Lachen und Erleben bereiten kann.
Am Donnerstag folgte für viele das absolute Highlight der Klassenfahrt: der Besuch des Kletterwaldes am Titisee. Nach einer ausführlichen Einweisung und ausgerüstet mit Helm und Klettergurt wagten sich alle mutig in die Baumwipfel. Wackelige Brücken, Seilrutschen und anspruchsvolle Hindernisse verlangten Mut, Geschicklichkeit und manchmal auch eine kleine Portion Überwindung.
Besonders schön war dabei zu beobachten, wie selbstverständlich sich die Kinder gegenseitig unterstützten. Wer einen Moment zögerte, wurde von den anderen angefeuert. Wer einen schwierigen Abschnitt gemeistert hatte, freute sich nicht nur über den eigenen Erfolg, sondern auch über den der anderen. Gerade in solchen Momenten wurde deutlich, wie sehr die Klasse in den vergangenen Tagen zusammengewachsen war. Aus vielen einzelnen Schülerinnen und Schülern war eine Gemeinschaft geworden, die füreinander da war und sich gegenseitig Mut machte.
Nach so viel Action durfte natürlich auch ein entspannter Ausklang nicht fehlen. Bei einem Spaziergang durch Titisee gönnten sich manche ein Eis und genossen das bunte Treiben im Ort, bevor es zurück zur Jugendherberge ging.
Den stimmungsvollen Abschluss der Woche bildete schließlich ein gemeinsames Lagerfeuer mit Stockbrot. Während die Sonne langsam über dem Schluchsee unterging, saßen alle beisammen, erzählten, lachten und blickten auf die vergangenen Tage zurück. Es waren genau diese ruhigen Momente, die zeigten, wie wertvoll eine Klassenfahrt sein kann: fernab des Schulalltags Zeit füreinander zu haben, Gespräche zu führen und Erinnerungen zu schaffen, die weit über das eigentliche Programm hinausreichen.
Als am letzten Morgen die Koffer wieder gepackt wurden, fiel der Abschied vielen überraschend schwer. Noch wenige Tage zuvor hatten manche Kinder Sorge gehabt, Heimweh zu bekommen oder nicht gut schlafen zu können. Rückblickend waren sich jedoch alle einig: Diese Sorgen hatten sich schnell in Luft aufgelöst. Stattdessen waren neue Freundschaften entstanden, viele Kinder hatten ihr Selbstvertrauen gestärkt und alle hatten erlebt, wie schön es sein kann, gemeinsam Herausforderungen zu meistern.
So endete eine Woche voller gemeinsamer Erlebnisse, neuer Erfahrungen und unzähliger kleiner Geschichten, die der Klasse sicher noch lange in Erinnerung bleiben werden. Ob bei den Wanderungen durch den Schwarzwald, den Teamaufgaben im Wald, hoch oben zwischen den Baumwipfeln oder beim gemeinsamen Lachen am Lagerfeuer – überall wurde deutlich, dass Lernen nicht nur im Klassenzimmer stattfindet. Klassenfahrten schaffen Erinnerungen, fördern Selbstständigkeit, stärken den Zusammenhalt und lassen Freundschaften wachsen.
Als die Kinder am Bahnhof schließlich ihren Eltern in die Arme fielen, nahmen sie weit mehr mit nach Hause als ihre großen Koffer: Sie brachten viele schöne Erinnerungen, neue Erfahrungen und das Gefühl mit, als Klassengemeinschaft noch enger zusammengewachsen zu sein. Unser herzlicher Dank gilt dem gesamten Team der Jugendherberge Wolfsgrund, das mit seiner Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft dazu beigetragen hat, dass diese Woche für alle zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde.