„Marche de la Paix“ mit Schülerinnen und Schülern des KGN

Deutsche und französische Jugendliche aus 5 Schulen setzen ein Zeichen für Frieden und Versöhnung und besuchen gemeinsam den Hartmannswillerkopf

Der Blick von Neuenburg auf den Grand Ballon und den benachbarten Hartmannswillerkopf gehört für uns zur vertrauten und heimeligen Vogesen-Kulisse. Dabei wird oft vergessen, dass dort im Ersten Weltkrieg 30.000 junge Männer ihr Leben lassen mussten – viele von Ihnen nicht älter als 18 Jahre. Der „Viel Armand“, wie er in Frankreich oft genannt wird, war der am heftigsten umkämpfte Gipfel in den Vogesen. Obwohl das Elsass nu rein Nebenkriegsschauplatz war, waren die Gefechte hier besonders grausam: neben der Artillerie kamen auch Giftgas und Flammenwerfer zum Einsatz – von den Soldaten wurde der Hartmannswillerkopf auch „Menschenfresser“ genannt.

Um an die schrecklichen Ereignisse vor 100 Jahren zu erinnern und um ein Zeichen für den Frieden zu setzen, haben am vergangenen Mittwoch etwa 100 Schülerinnen und Schüler aus Frankreich und Deutschland – unter ihnen auch vom KGN – den Hartmannswillerkopf besucht und sind gemeinsam in einem Friedensmarsch durch die alten Schützengräben bis zum großen Soldatenfriedhof gewandert.

Neben den vierstündigen Kursen Französisch und Geschichte des KGN haben Schülerinnen und Schüler unserer Partnerschule „Lycée Albert Schweitzer“ aus Mulhouse, einer Klasse des deutsch-französischen Gymnasiums „Romain Rolland“ aus Dresden, des „Lycée J. J. Henner“ aus Altkirch (Elsass) und eines Berufsgymnasiums aus Mulhouse teilgenommen.

Dabei war den Organisatoren nicht nur der Geschichtsunterricht vor Ort, sondern auch der deutsch-französische Dialog zwischen den Schülerinnen und Schülern wichtig. Der Austausch über die gemeinsame Vergangenheit beider Länder, aber natürlich auch das gegenseitige Kennenlernen war ein wichtiges Anliegen der Organisatoren. So wurde auf der Wanderung natürlich nicht nur über den Ersten Weltkrieg gesprochen, sondern auch über gemeinsame Hobbies, Unterschiede im Bildungssystem und natürlich über den Fußball. Das hat offenbar funktioniert, wie man den Kommentaren der französischen Schüler entnehmen kann: „Nous avons pu se connaître, échanger sur nos centres d’intérêts – Nous avons créé des liens avec des Allemands – J’ai été touché, c’était très bien, j’ai aimé vivre une journée avec des Allemands.“

Bereits während der gemeinsamen Busfahrt hatten die Schülerinnen und Schüler des KGN Gelegenheit, sich mit den französischen Schülern auszutauschen und an vergangene Treffen anzuknüpfen. Am Hartmannswillerkopf ging es zunächst in einer schweißtreibenden Wanderung vorbei an einem versteckten deutschen Soldatenfriedhof und etlichen Überbleibseln aus dem Ersten Weltkrieg bis zur „Kantine Zeller“, einer ehemaligen Versorgungs- und Lazarettstation. Dort verlasen die Schülerinnen und Schüler Tagebucheinträge und Briefe von französischen und deutschen Soldaten, die den unerträglichen Kriegsalltag eindrucksvoll vor Augen führten.

Gestärkt durch Kaffee und „pain au chocolat“, organisiert vom Verein der „Amis de Hartmannswillerkopf“, ging es dann weiter durch die gespenstischen Befestigungsanlagen, Bunker und Schützengräben auf den Gipfel, wo sich deutsche und französische Soldaten kaum 20 Meter voneinander enfernt gegenüber standen. Dort erhielten die Schüler Informationen zu den Verläufen der Kämpfe und zum Alltag in den Schützengräben; auch der Besuch des vor zwei Jahren neu eröffneten „Historial“, einem Museum zu den Kämpfen am Hartmannswillerkopf, das von deutschen und französischen Historikern gemeinsam konzipiert wurde, beleuchtete eindrucksvoll die Absurdität und Grausamkeit des Krieges.

Als Abschluss fanden sich alle Schülerinnen und Schüler vor der bedrückenden Kulisse des großen Soldatenfriedhofs zusammen, um in beiden Sprachen Texte zu Frieden und Versöhnung zu verlesen und gemeinsam die Europahymne zu singen. Besonders beeindruckt hat die Schülerinnen der sehr persönliche Augenzeugenbericht eines Musikers, dessen ganze Familiengeschichte von den Ereignissen des Krieges bestimmt war.

Trotz der Besonderheit dieses Ortes war e seine „belle journée“, wie Jean-Joseph Feltz und René Tessier, die beiden Hauptorganisatoren des „Marche de la paix“, resümierten. Dem stimmten auch die Schüler zu:

„Ja, ich denke, es war definitive sehr bewegend, einen Ort zu sehen, wo vor etwa 100 Jahren unsere Vorfahren um ihr Leben gekämpft haben. Dadurch, dass wir den Tag in einer deutsch-französischen Gruppe erleben durften, wurde das Ganze noch eindrücklicher: Während wir heute gemeinsam mit unseren französischen Austauschpartnern lachen können, haben unsere Vorfahren noch mit ihnen kämpfen müssen!“

Am Ende des Tages war aber auch allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern klar, wie wichtig die deutsch-französische Freundschaft und die gemeinsame Verantwortung für die Vergangenheit ist. 2 französische Schülerinnen brachten das so auf den Punkt:

„Oui, c’est incroyable de se dire qu’il y a 100 ans, il y avait la guerre et que maintenant on y va avec des Allemands en tant qu’amis. Cela nous permet de nous render compte des conditions difficiles des soldats mais aussi de l’importance de la paix.“